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ASRock DeskMini A300

Mein HP ProLiant N54L ist in die Jahre gekommen. CPU und Speicher stossen an ihre Grenzen. Der ASRock DeskMini A300 tritt an, diese Grenzen zu überwinden.

Seit einigen Jahren dient ein HP ProLiant N54L Microserver mir als „Heimserver“. Ein grundsolides Gerät, leise, wartungsarm, stabil. Die AMD Turion II CPU ist allerdings festverlötet und stößt mit ihren 2,2 GHz an ihre Grenzen, ebenso wie die max. 8 GB RAM. Zeit für etwas Neues, stärker, größer – und kleiner: Der ASRock DeskMini A300.

Der „Alte“

Der N54L Generation 7 (G7) ist ein Microserver auf Basis der AMD Turion II Neo Dual-Core CPU. Sie ist auf einem HP Custom Mainboard verlötet und bietet 2x 2,2 GHz. Ihr zur Seite stehen aktuell 8 GB RAM und 4x 2 TB HDDs (WD Red) im RAID 5 Verbund.

Auf diesem Server laufen Dienste, welche in unserem Haus durch mich und andere Familienmitglieder genutzt werden. Zunächst natürlich Homegear und Home Assistant zur Heimautomatisierung. Aber auch Datenbanken und Datei-Freigaben für die Windows-Geräte im Haus. Und eben auch mehrere Minecraft Server – zur Unterhaltung.

All das bringt die CPU immer deutlicher an ihre Grenzen, es kommt zu Mikrorucklern („Lags“) in Minecraft und zwischen auslösendem Ereignis und Reaktion des Smart Home können schonmal Sekunden vergehen. Man liegt also bereits im Dunkeln, wenn die Beleuchtung endlich angeht.

Der „Neue“

Zeit also für etwas Neues, was größer (= leistungsstärker) und gleichzeitig kleiner (= raumsparender) ist. Von den insgesamt 5,6 TB Plattenplatz waren nämlich dauerhaft nie mehr als 600 GB belegt.

Es war schnell klar, dass ein Eigenbau zum Einsatz kommen sollte. Möglichst klein, doch mit ausreichend aktueller Hardware und Platz für mindestens 2 Festplatten. Intel NUC oder Gigabyte BRIX Systeme kamen daher nicht infrage. Außerdem sollte wieder Ubuntu Linux zu Einsatz kommen. Damit schieden NAS-Systeme von Synology oder QNAP aus.

Nach einiger Recherche stieß ich auf System, das für meine Anforderung wie gemacht schien: Den ASRock DeskMini A300 Barebone.

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ASRock A300 und HP N54L im Größenvergleich

ASRock DeskMini A300

Der DeskMini A300 ist ein Barebone im Mini-STX Format. Die Abmessungen des Gehäuses betragen 155x155x80 mm. Auf dem Mainboard befindet sich ein AM4 Sockel mit A300 Chipsatz für moderne AMD CPUs der Picasso, Raven Ridge oder Bristol Ridge Familie.

Somit sind viele aktuelle AMD Athlon und Ryzen CPUs nutzbar, solange die TWP nicht 65 W übersteigt. Außerdem muss eine CPU mit integrierter Grafik (APU bzw. iGPU) zum Einsatz kommen. Das Bild-Signal kann via HDMI, Display Port oder D-SUB/VGA abgegriffen werden.

Verfügbar sind weiterhin M.2 Slots (Type 2280), SATA 6GB/s, Gigabit-LAN und USB 3.1 vorhanden. Der maximale Speicherausbau beträgt 64 GB und im Gehäuse haben 2 2,5″ HDDs bis max. 9mm Dicke Platz.

AMD Athlon 200GE

Die AMD Athlon 200GE APU ist eine Low-Cost CPU aus der Raven Ridge Familie mit 2 Kernen in Zen-Architektur. Sie bietet 4 logische CPUs und taktet mit bis zu 3,2 GHz.

Neben der CPU ist noch eine Vega 3 Grafikeinheit verbaut, so dass auf eine dedizierte Lösung verzichtet werden kann. Mit 35 W TWP passt sie locker in die Spezifikation des DeskMini A300 und liegt leistungstechnisch doch weit über dem Turion II des N54L.

Speicher

Ein Barebone muss neben der CPU natürlich noch mit flüchtigem und permanentem Speicher bestückt werden. Der Athlon 200GE unterstützt DDR4-2666 Speicher, entsprechend den Vorgaben des Boards kommt ein 2x 8 GB Kit von Crucial zum Einsatz.

Als Medium für das Betriebssystem (Ubuntu Server 18.04 LTS) kommt eine Samsung PM981 256 GB SSD im M.2 2280 Format zum Einsatz. Über NVMe angesteuert, können bis zu 3GB/s gelesen werden. Als „Bulk Version“ ohne Kühlkörper ist sie für knapp 50 EUR erhältlich.

ASRock A300 Mainboard
A300 mit bestücktem Mainboard

Die eigentlichen Nutzdaten werden auf 2 Seagate BarraCuda 2000 GB HDDs abgelegt, welche über md-tools zu einem RAID 1 (also gespiegelt) verbunden sind. Bis zu 125 MB/s lesender Transfer sind möglich. Aufgrund der beengten Platzverhältnisse können keine HDDs höher als 9 mm verbaut werden, die Seagates sind 7,5 mm dick.

Fazit

Der Eigenbau auf Basis des DeskMini A300 erfüllt meine Anforderungen bis dato in vollem Umfang. Er ist klein, leistungsstark, dabei leise und günstig in Anschaffung und Unterhalt. Der gesamte Setup hat ca. 450 EUR gekostet.

Der Zusammenbau war kinderleicht, lediglich die Montage der zweiten HDD ist etwas aufwendiger, dann muss das Mainboard demontiert werden.

ASRock A300 Festplatten
A300 Mainboard-Träger mit montierten Festplatten

Die Geräuschentwicklung mit dem „boxed“ Kühler des Athlon 200GE ist moderat, für Wohn- oder Schlafzimmer sicher zu laut, steht mir allerdings ein eigener Raum für die „Haus-IT“ zur Verfügung.

Ausblick

Die Migration des N54L auf den neuen Server wird sicherlich einige Zeit in Anspruch nehmen. Vorteilhaft ist, dass schon auf dem alten Server Docker und Docker Compose zum Einsatz kommen. Nutz- und Konfigurationsdaten der Anwendungen sind daher leicht identifizier- und kopierbar.

Um meine „Skills“ im Bereich Container Orchestrierung auszubauen, werde ich wohl Kubernetes oder Rancher K3s installieren. Letzteres läuft schon auf den Raspberry Pis im Haus, so dass ein Cluster mit 4 Nodes entstünde.

Sollte da neue System wider Erwarten an seine Grenzen stoßen, bleiben mir mehrere Möglichkeiten der „vertikalen“ Skalierung: Eine leistungsstärkere CPU und/oder mehr Hautpspeicher. Auch eine „horizontale“ Skalierung ist möglich, durch mehrere Duplikate des neuen Systems. Das Volumen eines N54L (ca. 14 Liter) ist auf jeden Fall ausreichend für bis zu 6 ASRock DeskMinis.

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