Canon EF 28mm f/2.8 IS USM vs. Sigma 30mm f/1.4 DC HSM Art – Normalbrennweiten für Crop-Kameras

Meine bisherige Linse in Normalbrennweite an APS-C Kameras (Crop) stand vor der Ablösung. Zwar war ich mit dem Canon EF 28mm f/1.8 USM weitestgehend zufrieden, doch die Randunschärfe und vor allem die deutliche Anfälligkeit für lila und grüne Lichtsäume (Chromatische Abberation, CA) haben mich gestört. Also habe ich mir zwei potentielle Nachfolger zur Auswahl bestellt:

Was unweigerlich folgen musste war ein laienhafter Vergleich und ein – wie immer – subjektives Fazit.

Die Kandidaten

Sigma 30mm f/1.4 und Canon 28mm f/2.8 IS im Größenvergleich

Sigma 30mm f/1.4 und Canon 28mm f/2.8 IS im Größenvergleich

Beim Canon EF 28mm f/2.8 IS USM (Produktseite) handelt es sich um eine aktuelle Weitwinkel- (Kleinbild), bzw. Normalbrennweite (Crop) mit Ultraschall-Motor. Letzterer erlaubt jederzeitigen Eingriff in die Fokussierung, auch im Automatik-Modus. Die im Vergleich zum Sigma schwächere Lichtstärke (f/2.8 vs f/1.4) versucht Canon durch die Beigabe eines Bildstabilisators (Image Stabilizer, IS) schmackhaft zu machen. Laut Datenblatt sind damit bis zu 4x längere Belichtungszeiten als ohne IS möglich. Damit sollen sich auch in dunkleren Umgebungen ausreichend belichtete Bilder Freihand schießen lassen. Eine Stativ-Erkennung hat der IS nicht, darum muß er dort abgeschaltet werden.

Der aktuelle Preis bei Amazon beträgt rund 450 Euro. Wie bei Canon abseits der L-Serie üblich, muß eine passende Streulichtblende (Modell EW-65B) von Canon (rund 40 Euro) oder als Nachbau (rund 20 Euro) separat erworben werden.

Der Filterdurchmesser beträgt wie bei vielen Canon Festbrennweiten 58mm. Geliefert wurde das Objektiv noch mit dem alten Objektivdeckel (E-58U), der sich bei montierter Streulichtblende nur schwer entfernen lässt. Besser wäre die neue Snap-In-Version (E-58II).

Sigma 30mm f/1.4 DC HSM Art

Das Sigma 30mm f/1.4 DC HSM (Produktseite) aus der neuen Art-Serie verfügt ebenfalls über einen Ultraschall-Antrieb (Hypersonic Motor, HSM) mit gleichen Möglichkeiten. Auf einen Bildstabilisator muß es verzichten, ist aber mit einer Offenblende von f/1.4 besonders lichtstark.

Der aktuelle Preis bei Amazon beträgt rund 480 Euro. Dafür erhält man das Objektiv in einem Köcher, mit Streulichtblende und einem Snap-In-Deckel, der sich auch bei montierter Blende einwandfrei lösen lässt.

Der Filterdurchmesser des Sigmas ist 62mm.

Der Vergleich

Ausstattungsbereinigt liegen beide Objektive also preislich auf gleichem Niveau. Im direkten Vergleich fällt auf, daß das Sigma gegenüber dem Canon deutlich größer und schwerer ist (435g vs. 260g). Trotz Bildstabilisator wirkt das Canon geradezu zierlich – für manchen Fotofreund mögen die Kompaktheit und das geringere Gewicht des Canon von Vorteil sein.

In beiden Fällen erhält man hervorragend verarbeitete Optiken. Das Bajonett ist bei beiden aus Metall (Sigma aus Messing), der Fokusring ist leichtgängig und doch stabil und alle Schalter (Sigma: AF, Canon: AF, IS) halten sicherlich ausreichend viele Zyklen aus. Auch die jeweiligen Streulichtblenden rasten satt ein und sitzen fest. Warum beim Sigma allerdings eine Trompete und keine Tulpe zum Einsatz kommt, bleibt mir verschlossen.

Durch sein schwarzes Finish und die diskrete Beschriftung wirkt das Sigma etwas seriöser, während der Tubus des Canons an vielen Stellen mit Beschriftungen in verschiedensten Farben versehen ist. Doch eigentlich ist das nebensächlich, denn wir schauen ja durch das Objektiv und nicht darauf.

Farben, Kontraste, Fokus

Die beiden ersten Bilder zeigen, daß beide Objektive bzgl. Farben, Kontraste und Auflösung auf gleicher Höhe sind. Fairerweise muß man darauf hinweisen, daß das Sigma bei Blende f/2.8 bereits 2 Stufen abgeblendet ist. Umso bemerkenswerter ist die Leistung des Canons bereits bei Offenblende.

Auch der Fokus sitzt in beiden Fällen genau dort, wo ich ihn haben wollte (auf dem M von BMW). Von den oftmals berichteten Fokus-Problemen bei Sigma-Objektiven ist zumindest dieses Exemplar nicht betroffen.

Eine Freistellung, die sich nur mit dem Sigma bei Offenblende (f/1.4) erreichen lässt zeigt Bild 3.

Sigma 30mm bei Offenblende (f/1.4)

Sigma 30mm bei Offenblende (f/1.4)

Chromatische Abberation

Wer genau hinschaut, wird bei den ersten beiden Aufnahmen CAs erkennen, also Farbsäume rund um die Reflektionen an den Tasten des Autoschlüssels. Sie halten sich aber im Vergleich zu meinem alten Canon EF 28mm f/1.8 im Rahmen und lassen sich problemlos in Lightroom entfernen. Bereits ab Blende 4.0 nehmen sie merklich ab und sind spätestens bei Blende 8 verschwunden (Bild 4 & 5).

Bokeh

Bei der Freistellung geht es darum, das fokussierte Objekt scharf und die umliegenden Bildbestandteile wie Vorder- und Hintergrund in Unschärfe versinken zu lassen. Das sog. Bokeh soll durch eine möglichst unauffällige Struktur das Auge des Betrachters nicht ablenken und somit den eigentlich wichtigen Bildinhalt hervorheben: Das Bokeh muß butterweich sein.

Auch in dieser Disziplin wissen beide Objektive zu überzeugen. Ich wage sogar zu behaupten, daß insbesondere die Darstellung von Lichtquellen im Hintergrund bei beiden Objektiven identisch ist. Auch bei Gegenlicht in der besonders schwierigen Variante des Lichts durch Blätter bleibt die Darstellung unauffällig.

Schärfe & Vignettierung

Ein Fluch der digitalen Fotografie ist, daß technische Perfektion oftmals vor Bildinhalt und -sprache gestellt wird. Besonders Schärfe scheint das Maß aller Dinge geworden zu sein. Diverse Foren im Internet in denen wirklich ausgezeichnete, teilweise einzigartige Aufnahmen gezeigt werden sind voll mit Feedback wie: Mich stört die abfallende Randschärfe unten links.

Also bitte – hier ist das unvermeidbare Bild der Ziegelwand. Zunächst mit Blende f/2.8 (Offenblende beim Canon), dann bei Blende f/8. Ich bin mit der Schärfe beider Objektive auch in den Randbereichen mehr als zufrieden. Es möge jedoch jeder selbst entscheiden. Der dunkle Bereich oben links ist übrigens die Fensterbank, keine Vignette.

Das Fazit

Wer bis hier unvoreingenommen mitgelesen hat, muß eigentlich zum gleichen Fazit kommen wie ich: Beide Optiken sind auf gleichen, hohen Niveau. Neben den Kleinigkeiten wie Gewicht, Lieferumfang und Hersteller gibt es eigentlich zur zwei Punkte, die eine Entscheidung beeinflussen können:

  1. der Bildstabilisator des Canon
  2. die Lichtstärke des Sigma

Und genau auf diesen Kriterien fundiert meine persönliche Entscheidung, dem Sigma 30mm f/1.4 DC HSM den Vorzug zu geben – obwohl ich irrationale, aber starke Vorbehalte gegen Fremdhersteller allgemein und Sigma im Besonderen habe.

Denn – ich kann das Sigma jederzeit auf f/2.8 abblenden, das Canon wird jedoch nie f/1.4 erreichen. Auch der IS kann daran nichts ändern, denn er verändert nicht die Lichtstärke, sondern erhöht durch verlängerte Belichtungszeiten die mögliche Lichtmenge.

Wo ich mit dem Sigma bei f/1.4 und 1s/125 noch im Dämmerlicht oder in Innenräumen ein ausreichend beleuchtetes und scharfes Bild bekomme, kann der IS des Canon zwar die gleiche Lichtmenge bei f/2.8 einfangen, ist aber mit 1s/30 in einer Zeit in der Bewegungsunschärfe (z.B. von Personen) nicht mehr zu vermeiden ist.

Sorry Canon, aber bei Lichtstärke gilt: Hubraum statt Spoiler.
fazit

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